Testament Erbvertrag Vermächtnis

Seit 2001 das Gesetz über die ein­ge­tra­gene Lebens­partnerschaft in Kraft getre­ten ist, steht gleichge­schlechtli­chen Partnern ein gesetzli­ches Er­brecht zu. Sie sind damit verheira­te­ten Ehe­leu­ten gleichge­stellt. Ein­ge­tra­gene Lebens­partner können ge­nauso wie Ehepaa­re ein gemeinschaftli­ches Tes­tament oder ein Berli­ner Tes­tament verfas­sen und sich dar­in ge­gen­seitig zu Allein­er­ben einset­zen. Die erb­schaft­steuerli­chen Freibe­träge sind eben­falls gleich hoch.
Sowohl Ehe- als auch Lebens­partner ha­ben An­spruch auf den gesetzli­chen Pf­licht­teil, falls der ge­storbe­ne Partner sie in sei­nem Letz­ten Wil­len ent­erbt hat.
Bei unverheira­te­ten Paa­ren gibt es kei­nen gesetzli­chen Erb­an­spruch. Damit fällt auch der Pf­licht­teil flach. Das Tes­tament ist der einzige Weg, den Partner abzusi­chern.

 

Erbvertrag_02

Deine, meine, unsere Kinder.

Ohne Tes­tament gilt in Fa­mili­en zu­nächst die gesetzli­che Erbfolge: Der Ehe­partner und die gemeinsamen Kin­der er­ben. Dass der Partner Allein­erbe wird und die Sprösslinge erst nach de­s­sen Tod ans Vermögen kommen, zählt zu den weitver­breite­ten Er­brechts-Irrtümern.

Stan­dard bei Fa­mili­en ist das Berli­ner Tes­tament, in dem sich die Ehe­partner ge­gen­seitig zu Er­ben einset­zen.

Für Patch­workfa­mili­en bietet sich ein Tes­tament an. Sowohl der Partner als auch alle Kin­der ein­schließlich der Stiefkin­der können dar­in bedacht wer­den. An­sons­ten blei­ben Stiefkin­der nach der gesetzli­chen Erbfolge bei der Ver­teilung des Gelds außen vor, weil sie nicht mit dem Erb­las­ser blutsverwandt sind. Le­ben in ei­ner Patch­workfa­milie gemeinsame Kin­der oder alleinige Kin­der ei­nes Partners, be­er­ben sie ohne tes­tamen­tari­sche Regelung automatisch ihre leibli­chen Eltern.

Adoptivkin­der ha­ben die glei­chen gesetzli­chen Erb­rech­te wie leibli­che Kin­der und min­des­tens An­spruch auf den Pf­licht­teil. Nicht­ehe­li­che Nach­kommen sind grundsätzlich ge­nauso erb- und pf­licht­teilsbe­rechtigt wie ehe­lich geborene.

 

testament2

Dies kann ge­schehen durch ei­genhändiges oder no­tari­el­les Tes­tament, ent­weder ein soge­nann­ter Ein­zel­tes­tament oder ein gemeinschaftli­ches Tes­tament der Ehe­leu­te. Das gesetzli­che Ehegattener­brecht kann durch letztwil­lige Verfügung ein­ge­schränkt oder verändert wer­den. Vorsorge kann auch durch ei­nen mit den Ver­trags­er­ben ge­schlossenen Erbver­trag getroffen wer­den, der zwin­gend no­tari­ell zu be­urkun­den ist.

Als Erb­las­ser steht es Ihnen nicht nur frei, von der gesetzli­chen Erbfolge in der Weise abzuwei­chen, dass Sie an­de­re Personen zu Ih­ren Er­ben be­stimmen können, Sie können auch durch Tes­tament oder Erbver­trag ei­nen Verwand­ten oder ei­nen Ehegat­ten von der gesetzli­chen Erbfolge aus­schließen, ohne ei­nen Er­ben einzuset­zen. Durch ei­ne letztwil­lige Verfügung kann der Erb­las­ser im Rah­men ei­ner Teilungs­an­ord­nung verfügen, wie der Nach­lass un­ter den Er­ben tatsächl­ich ge­genständlich auf­zu­teilen sein soll.

Ne­ben der Er­beinsetzung ist das Vermächtnis ein weite­res In­strument, um durch ein Tes­tament oder ei­nen Ver­trag ei­nem an­de­ren Vermögen zuzuwen­den. Das Vermächtnis kann von dem Erb­las­ser im Tes­tament ange­ordnet oder im Erbver­trag ver­einbart wer­den. Wäh­rend ein Erbe das ge­samte Vermögen oder ei­nen Teil davon erbt und insoweit Rechtsnach­fol­ger wird, erhält der Vermächtnisneh­mer ei­nen be­stimm­ten Teil aus dem Nach­lass, ohne die Rechtsnach­folge anzutre­ten (Aus­nah­me: Vor­ausvermächtnis, wel­ches auch den Er­ben zukommen kann). Der Vermächtnisneh­mer hat also ge­nerell nicht die Stellung ei­nes Er­ben, sondern kann von diesem nur die Herausgabe des vermach­ten Vermö­gens­teils verlan­gen.

 

Vorweggenommene Erbfolge – Adoption

Ich be­ra­te Sie auch im Hin­blick auf ei­ne Vermö­gensüber­tragung zu Lebzei­ten. Die sog. vorweggenommene Erbfolge ist ei­ne Vermö­gensüber­tragung zu Lebzei­ten der Person erfolgt, die das Vermögen mit dem Tod des Erb­lassers sowieso erhal­ten hätte.

Ein Bau­stein bei der Vorsorgepla­nung kann auch ei­ne Adopti­on (auch ei­ner erwach­senen Person) der Person sein, die spä­ter bedacht wer­den soll. Daran ist dann zu denken, wenn ei­ner fa­mili­enfremden Person ein namhaf­ter Be­trag zugewendet wer­den soll, der ohne die Adopti­on ei­ne erhebli­che Erb­schafts­steuer aus­lösen würde.

Wohnrecht und Nießbrauch

In ei­nem einmal ver­schenk­ten, also überschriebe­nen Haus hat der Schenken­de im Prinzip nichts mehr zu sa­gen. Er kann sich jedoch ein Wohnrecht in der no­tari­el­len Schenkungs­urkun­de vorbe­hal­ten oder ei­nen Nießbrauch, das heißt ein umfang­rei­ches Nutzungs­recht ein­schließlich Miet­einnah­men. Auch Rückforde­rungs­rech­te können ver­traglich ver­einbart wer­den. Zum Bei­spiel für den Fall, dass Sohn und Schwieger­toch­ter das von den Eltern geliebte Ei­genheim verkau­fen wol­len. Wer sol­che Vorbe­halte einbauen will, sollte ge­nau über­legen, wie die Be­schenk­ten dar­auf rea­gie­ren. Ein Haus weg­zuge­ben, um sich zu „ent­rei­chern“, kann Vor- und Nach­teile ha­ben.